Die Gewässergüte am Altrhein

Der Rhein – und damit der Alte Rhein als Teil des Vollrheins - gehört sicherlich zu den bestuntersuchtesten und bestüberwachten Gewässern der Welt. Seit mehr als hundert Jahren, seit ca. 1970 ganz intensiv, wird die Qualität des Rheinwassers, des Rheinsediments und auch die Vielfalt der am/im Rhein lebenden Tiere (Fische, Insekten...) und Pflanzen (Wasserpflanzen, Algen...) verfolgt. Der Grund hierfür ist klar: Der Rhein war und ist die wichtigste (Wasser-) Lebensader Europas. Immerhin trinken ca. 20 Millionen Menschen aus dem Rhein aufbereitetes Trinkwasser und noch weit mehr Menschen entsorgen ihre (gereinigten) Abwässer über diesen Fluß. Noch vor gut 40 Jahren galt der Rhein als Kloake Europas. Durch Milliarden-Investitionen im Bereich der Reinigung von kommunalen und insbesondere auch industriellen Abwässern hat sich der Rhein wieder zu einem  sauberen Fluss entwickeln können. Insbesondere der Hoch- und Oberrhein (Bodensee bis Karlsruhe) – und damit auch der Alte Rhein - weisen wieder eine sehr gute bis gute Gewässerqualität auf, so dass inzwischen auch wieder sog. empfindliche Arten (Fische, Insekten, Pflanzen) im und am Rhein gedeihen.

Gewässergüte:

Die Güte eines Gewässers hängt zuallererst von der chemisch-physikalischen Beschaffenheit des Wassers – sprich von seiner Verschmutzung – ab. Eine weitere wichtige Rolle spielt die sog. morphologische Situation, also die Gewässerstruktur des Gewässers: Ein durch menschliche Aktivitäten begradigtes, verbautes, häufig gestautes Gewässer ist morphologisch betrachtet von schlechter Güte.

Chemisch-physikalische Beschaffenheit des Alten Rheins:

Grundsätzlich spielen folgende Parameter für die Gewässergüte eine Rolle: PH-Wert, Temperatur, Sauerstoff-Gehalt, Belastung mit organischen Inhaltstoffen (im Wesentlichen Kohlenstoff-, Stickstoff-, Phosphor- und Schwefelverbindungen), Belastung mit anorganischen Substanzen (im Wesentlichen Salze, Schwermetalle) und – seit wenigen Jahren sehr aufmerksam verfolgt – Belastungen des Wassers mit sog. Mikroverunreinigungen. Zu diesen gehören z.B. Insektizide, Fungizide, Pestizide (aus der Landwirtschaft), Arzneimittel/-rückstände und die große Gruppe der Hormone/hormonähnlichen Substanzen. All diese Stoffe kommen nur in sehr geringen Konzentrationen im Wasser vor. Über Wirkungen dieser Stoffe auf Organismen in solch geringen Konzentrationen wird intensiv geforscht. Eindeutige Ergebnisse liegen zwar nicht vor.  Einflüsse aber z.B. auf die Reproduktionsfähigkeit  scheinen naheliegend.

Zu den Parametern im Einzelnen:

PH-Wert: Die pH-Wert-Situation im Alten Rhein (wie auch die im gesamten Rhein) ist unkritisch. Der pH-Wert liegt im physiologisch günstigen Bereich um 8 und unterliegt keinen relevanten Schwankungen.

 

Temperatur: Die Wassertemperatur beeinflusst nahezu alle physikalischen, chemischen und biologischen  Prozesse. Sie ist deshalb eine entscheidende Kenngröße für den Zustand und die Charakterisierung eines Gewässers. Von der Temperatur abhängig sind vor allem die Geschwindigkeit und das Ausmaß biologischer, sauerstoffverbrauchender Abbauprozesse und das mit zunehmender Temperatur zurückgehende Sauerstoff-Lösungsvermögen des Wassers.  Ab ca. 25°C z.B. kann es für Forellen und Äschen in einem Gewässer kritisch werden, da der Sauerstoff-Gehalt im Wasser – noch abhängig von der organischen Verschmutzung – unter 6 mg/l absinken kann. Die letzten ca. 30 Jahre beobachtet man eine Aufwärmung des Rheins zwischen dem Bodensee-Ablauf und Mannheim von gut 2°C. Dass sich die steigenden Temperaturen im Altrhein, im Sommer bei Niedrigwasser, ggfs. auf die Sauerstoff-empfindlichen Fische wie Äschen und Forellen auswirkt, darf vermutet werden (deswegen: im Hochsommer bei Niedrigwasser und hoher Wassertemperatur bitte nicht auf Äschen und Forellen fischen, um weiteren Stress für die Fische zu vermeiden !!!).

Sauerstoff-Gehalt: Der Sauerstoff-Situation des Rheinwassers hat sich in den letz-ten 30 Jahren deutlich verbessert. Insbesondere im Hoch- und Oberrhein liegt der Sauerstoff-Gehalt beinahe ganzjährig im Bereich der Sättigungsgrenze von ca. 10 mg/l. Dies wurde vor allem dadurch erreicht, dass der Eintrag von organischen Stoffen durch vermehrte und verbesserte Abwasserreinigung stark zurückgegangen ist.

Biologisch abbaubare Abwasserinhaltsstoffe: Die Belastung des Rheins mit biologisch leicht abbaubaren Verbindungen wird durch den Parameter Biologischer Sauerstoffbedarf in fünf Tagen (BSB5) charakterisiert. Je höher der biologische Sauerstoffbedarf, desto höher die organische Verschmutzung insbesondere des Wassers. Der Hochrhein hat einen BSB5 von ca. 2 mg/l, der Oberrhein bis max. 5 mg/l, was von einer geringen bis mäßigen Verschmutzung mit insbesondere Kohlenstoffverbindungen, aber auch mit Ammonium- und Phosphorverbindungen, herrührt. Von menschlichen Einflüssen völlig unbelastete Gewässer haben einen BSB5 von ca. 1 mg/l, da auch etwas organisches Material z.B. aus Böden/Waldböden ausgeschwemmt wird. Insgesamt ist die Belastung des Oberreheins mit biologisch abbaubaren Stoffen die letzten 20 Jahre durch Abwasserreinigungsmaßnahmen um gut 80% zurückgegangen. Dies hat sich insbesondere auf Sauerstoff-Situation sehr positiv ausgewirkt.

Nährstoffe: Die Nitrat- und Phosphatkonzentrationen des Hoch- und Oberrheins sind gegenüber dem „natürlichen“ Zustand gering bis mäßig erhöht. Die Situation im Rhein ist im Vergleich zu den meisten anderen Fließgewässern  in Baden-Württemberg deutlich günstiger, diese Gewässer sind häufig deutlich höher mit Nährstoffen belastet.  Die Nährstoffe stammen im Wesentlichen aus der Düngemittelanwendung in der Landwirtschaft und der Restbelastung aus der Abwasserreinigung. Bei den Nährstoffen ist die Entwicklung interessant: Waren in den 60er und Anfang der 70er Jahre die Nitrat-Werte noch unter 1 mg/l, stiegen sie bis Mitte der 80er Jahre auf 2 – 3 mg/l an. Gegen Ende der 80er bis heute haben sich die Nitrat-Werte bei ca. 2 mg/l eingependelt.

Eutrophierung: Die Nährstoffsituation eines  Gewässers  lässt sich auch über den Eutrophierungsgrad abschätzen. Gemessen wird dabei der Chlorophyllgehalt des Wassers als Maß für den Gehalt an Planktonlagen. Die Planktonalgenkonzentration ist dabei im Wesentlichen abhängig vom Nährstoffangebot (Kohlenstoffverbindungen, Nitrat und Phosphat), von der Wassertemperatur, von der Sonneneinstrahlung und der Turbulenz und Fließgeschwindigkeit des Wassers. Der Oberrhein gilt als mesotroph, d.h. seine Primärproduktion an Algen ist im Allgemeinen gering bis mäßig. Bei ungünstigen Bedingungen (wenig Wasser, viel Sonne, hohe Wassertemperaturen) kommt es aber auch am Oberrhein immer wieder zu deutlichen Veralgungen.

Schwermetalle: Die Situation der Schwermetallbelastung des Oberrheins, des gesamten Rheins und auch aller anderer Fließgewässer in Baden-Württemberg hat sich seit den 70er Jahren deutlich gebessert – um nicht zu sagen entspannt. Dies gilt für die Schwermetalle im Wasser/gelöst in der Wasserphase, für die Schwermetalle in den Schwebstoffen und auch für die Schwermetalle in den Sedimenten. Maßgebend für diese Entwicklung waren und sind die insbesondere bei Gewerbe und Industrie durchgeführten Maßnahmen zur Behandlung schwermetallhaltiger Abwässer.

Organische Schadstoffe: Zu den organischen Schadstoffen, die seit gut 20 Jahren regelmäßig im Rhein untersucht werden, gehören die Polycyclischen Aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK), leichtflüchtige chlorierte Verbindungen (z.B. PER, DCM), synthetische Komplexbildner,  Pflanzenschutzmittelwirkstoffe und die Summenkenngröße AOX (an Aktivkohle  adsorbierbare  Organische Halogenverbindungen; hauptsächlich Chlorverbindungen). Bei allen diese Schadstoffen finden sich im Alten Rhein nur sehr geringe bis mäßige Belastungen.

Gewässerstruktur:

Der Alte Rhein hat gegenüber dem Vollrhein eine erheblich bessere Struktur. Dies ist klar, da er ja im ehemaligen Rheinbett verläuft. Ein gewisses Defizit besteht beim Geschiebe:  Die Gewässersohle hat durch die vielen Staustufen im Hochrhein ein chronisches Geschiebedefizit, vor allem feinere bis mittlere Kornanteile fehlen. Die Flusssohle ist teilweise kolmatiert („verbacken“), das für Kies-laichende Fische so wichtige Lückensystem ist nur teilweise funktionsfähig. Die letzten Jahre wurde aber an mehreren Stellen Kies eingebracht und die Situation verbessert.  Mit den auf französischer Seite geplanten Uferanbrüchen  im Nachgang zur Neukonzessionierung des Kraftwerks Kembs werden sich weitere Verbesserungen ergeben.

Wassermenge:

Seit 2010 wurde im Zuge der Neukonzessionierung des Kraftwerks  Kembs die „Restwassermenge“ in den Restrhein deutlich erhöht. Es fließen unterhalb des Stauwehrs Märkt  jetzt mindestens 45 Kubikmeter pro Sekunde, ca. 7 km flussabwärts wird auf französischer Seite demnächst ein Seitengewässer einmünden, welches nochmals 7 Kubikmeter Zulauf bringt. In den Sommermonaten wird die Wassermenge sogar auf bis zu 150 Kubikmeter angehoben. Diese wird direkt am Wehr in Märkt abgegeben. Diese Erhöhung der Wassermenge stellt  eine ganz erhebliche Verbesserung für den Alten Rhein dar.

Zusammenfassung:

Insgesamt hat sich die Gewässerqualität des Alten Rheins, des gesamten Oberrheins die letzten 30 Jahre erheblich verbessert. Bei fast allen Schadstoffen ist ein erheblicher Rückgang zu beobachten. Beleg dafür ist auch  die deutlich gestiegene Artenvielfalt, die im Rhein wieder anzutreffen ist, auch viele empfindliche Arten kommen wieder vor. Insgesamt sollte die gute Gewässerqualität das Leben/Überleben und eine gute Entwicklung aller im Oberrhein heimischer/ehemals heimischer Fischarten zulassen.